Weiterhin starkes Wachstum der Schweizer Medtech-Industrie – wenn auch bei zunehmendem Preis- und Kostendruck
Die Medizintechnikindustrie galt lange Zeit als krisenresistente Branche. Stark wachsende Gesundheitsmärkte, in denen ein grosser Teil der Kosten von den Krankenversicherungen gedeckt wurde, machten sie im Vergleich zu anderen Branchen weitgehend konjunkturunabhängig. Im Laufe der jüngsten globalen Wirtschaftskrise sind nun aber die Gesundheitsmärkte selbst stark in Bewegung geraten. Die Frage, wie sich das Wachstum der Gesundheitskosten eindämmen lässt, rückte in allen Industriestaaten zuoberst auf die Agenda. Welche Antworten darauf auch immer gefunden werden, unzweifelhaft ist, dass der Kosten- und Preisdruck auf die Medizintechnikindustrie und damit auch der Wettbewerb zwischen den Unternehmen zunehmen wird.
Die vom Medical Cluster in Zusammenarbeit mit Roland Berger Strategy Consultants und Deloitte im Frühsommer durchgeführte Studie beschreibt und erläutert, wie die Schweizer Medizintechnikindustrie diese Herausforderungen einschätzt und auf sie reagiert. Über 250 Unternehmen aus allen Landesteilen haben sich am «Swiss Medical Technology Industry 2010 Survey» beteiligt, was eine umfassende Einschätzung der gegenwärtigen Verfassung der Branche ermöglicht.
Verbesserung der Profitabilität
Vor dem Hintergrund der dreifachen Herausforderung (Preisdruck, Kostendruck und verschärfter Wettbewerb) haben die Schweizer Medtech-Unternehmen neue strategische Schwerpunkte gesetzt. Beim letzten Survey von 2008 nannten sie die Stärkung der Produktinnovation als wichtigstes strategisches Handlungsfeld. Entsprechend betrachteten sie die Verfügbarkeit von hoch qualifiziertem Personal und den Zugang zu spezialisiertem Know-how und neuen Technologien als die grössten Herausforderungen. Das hat sich inzwischen gründlich geändert. Die strategischen Prioritäten lauten derzeit: Verbesserung der Profitabilität, Optimierung des Marketings und Weiterentwicklung der Unternehmensstrukturen und -prozesse. Von grosser Bedeutung ist ferner die Kompetenz, den immer anspruchsvolleren regulatorischen Vorgaben in den einzelnen Märkten erfolgreich begegnen zu können. Trotzdem rechnen die Manager der Schweizer Medtech-Unternehmen mit einem weiterhin starken Wachstum von 10 bis 12 Prozent für die nächsten beiden Jahre. Die grössten Wachstumschancen erkennen sie dabei im Schweizer Heimmarkt sowie in den EU-Ländern.
Innovation und Erneuerung
Das erhöhte Kostenbewusstsein der Medtech-Manager hat auch dazu geführt, dass die Investitionen in Forschung & Entwicklung neu überdacht wurden. Insgesamt sind die F&E-Aufwendungen 2009 gegenüber 2007 zwar nur minimal zurückgegangen, bei den Herstellern von rund 12 auf 11 Prozent des Umsatzes. Es kam aber zu einer Verlagerung der Ausgaben, indem vermehrt in die Erneuerung bestehender Produkte investiert worden ist. Entsprechend ist auch der Anteil neuer Produkte am Umsatz zurückgegangen, von rund einem Drittel auf weniger als 30 Prozent. Doch auch wenn die Produktinnovation gegenüber der Verbesserung der Profitabilität derzeit etwas an Bedeutung eingebüsst hat, bleibt sie langfristig der wichtigste Erfolgsfaktor der Medizintechnikindustrie. Vor diesem Hintergrund erstaunt es auch nicht, dass jene Unternehmen, die sich nach wie vor auf Innovation konzentrieren, die höchsten Wachstumsraten erwarten.
Medtech-Standort Schweiz
Die Schweiz zählt zu den weltweit führenden Medizintechnik-Standorten und verfügt über eine sehr breit abgestützte Wertschöpfungskette. Hoch innovative Firmen können sich auf spezialisierte Zulieferer, Hochschulen und Forschungsinstitute sowie auf Dienstleister für die Entwicklung und Einführung von Spitzentechnologien stützen. Der geschätzte Gesamtumsatz beträgt CHF 22,9 Mia. Mit rund 2 Prozent ist sein Anteil am BIP in keinem anderen Land höher. Das Rückgrat der Schweizer Medizintechnikindustrie bilden über 700 Hersteller und Zulieferer, die zusammen rund 49'000 Mitarbeitende beschäftigen. Knapp 80 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaften sie im Ausland.
Kontakt und Bezug der Studie:
Peter Biedermann, Medical Cluster![]()
Tel. +41 31 335 62 53
Mobile +41 76 324 31 15
Autoren
Dr. Patrick Dümmler, Roland Berger AG Strategy Consultants![]()
Mobile +41 76 532 53 16
Beatus Hofrichter, Deloitte Consulting AG![]()
Mobile +41 79 254 09 68
Medical Cluster
Der Medical Cluster bringt Hersteller, Zulieferer, Dienstleistungsunternehmen und Forschungs- und Entwicklungsinstitutionen aus der ganzen Schweiz zusammen. Wir bieten Dienstleistungen und Plattformen an mit dem Ziel, dass die Medizintechnik in der Schweiz weiterhin beste Wachstumsgrundlagen vorfindet. Das Hauptaugenmerk unserer Tätigkeiten liegt beim Wissens- und Erfahrungsaustausch, Technologietransfer und in der Exportunterstützung.
www.medical-cluster.ch
Deloitte
Deloitte ist eines der führenden Beratungsunternehmen in der Schweiz und bietet Dienstleistungen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting und Unternehmensfinanzierung an. Unsere 1000 Mitarbeitenden sind an den Standorten, Basel, Bern, Genf, Lausanne, Lugano und Zürich vertreten.
www.deloitte.com
Das internationale Roland Berger Pharma & Healthcare Competence Center unterstützt Life Science- Unternehmen, die neue Chancen ergreifen und die damit verbundenen Herausforderungen meistern wollen. Neben den traditionellen Beratungsfeldern wie Marketing, Organisationsentwicklung, Kostenreduktion und M&A liefern wir umfangreiche Marktanalysen der aktuellen Trends und Entwicklungen.
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